Walentin Terre

Ich grüße euch in der Liebe unseres Herrn Jesus Christus. Ich möchte davon berichten, wie mein Weg zu Gott war. Mein Name ist Walentin. Ich bin 29 Jahre alt und zwölf Jahre lang war ich drogenabhängig. Geboren bin ich in Kasachstan, im Gebiet Kustanay. In einer erfolgreichen ungläubigen Familie wurde ich gut erzogen und in der Schule lernte ich nicht schlecht. Mit ungefähr acht Jahren fing ich an Zigaretten zu rauchen und mit 13 begann ich zu trinken und Marihuana zu rauchen. Schon sehr früh war ich bei der Polizei bekannt, wegen Diebstahl und Schlägereien. Es zog mich immer zu Menschen, die älter waren als ich, weil es mir mit ihnen besser ging als mit Gleichaltrigen. Sie hatten genau die Lebenserfahrung, die mich interessierte, deshalb befand ich mich in dieser Gesellschaft. Ich hörte gerne ihre Gespräche, mochte es, mit ihnen zu trinken, „Kraut“ zu rauchen und sie nachzuahmen. Mit 16 Jahren zogen meine Eltern, meine jüngere Schwester und ich nach Deutschland um. Aber auch hier fand ich die gleichen Freunde. Und so kamen langsam chemische Drogen in mein Leben, wie zum Beispiel Ecstasy, Amphetamin und Crystal. Mir gefiel der Zustand sehr, in den die Drogen mich versetzten und ich wollte täglich in diesem Zustand sein. Und bei mir klappte es. Mein Freund und ich begannen mit dem Verkauf dieser Drogen. Jedes Wochenende befanden wir uns in Diskotheken; verkauften und konsumierten selbst in großen Mengen. Das dauerte dreieinhalb Jahre. Zu der Zeit wurden viele meiner Freunde heroinabhängig, aber ich wollte mit dieser Droge nichts zu tun haben. Nach einiger Zeit begannen meine Freunde und ich mit dem Verkauf von Heroin. Diese Droge krempelte mein ganzes Leben und meinen ganzen Gott schenkte mir neue Freunde, neuen Sinn im Leben diesen wünschen. Auch die Art, wie die Bewohner ihr Essen verdienen, hat mich beeindruckt. Sie gehen zum Beispiel zu alten Frauen und hacken für sie Holz oder schieben den Schnee weg. Dafür erhalten sie dann einen Sack Kartoffeln oder andere Nahrungsmittel. Auch Dima Gusev, der verantwortlich ist für die Gefährdetenhilfen, macht eine sehr gute Arbeit. Allein die Koordination und Zusammenarbeit unter den Häusern ist nicht leicht zu bewältigen. Zum Beispiel werden Bautrupps zusammengestellt und dorthin gefahren, wo das Rehabilitationszentrum abgebrannt ist, um es wieder aufzubauen. Es werden ein bis zwei Mal im Jahr Treffen untereinander organisiert, um den Herrn zu verherrlichen und Gemeinschaft zu pflegen. Oft sind die Häuser hunderte von Kilometern weit auseinander. Wenn ich die deutschen und russischen Gefährdetenhilfen miteinander vergleiche, so stelle ich fest, dass die Bewohner der Häuser in Russland dem Herrn Jesus Christus mit viel größerer Ernsthaftigkeit und Hingabe nachfolgen. Im Grunde genommen sind unsere Sozialgesetze für unsere Gesellschaft sehr nützlich. Doch bin ich der Ansicht, dass sie für drogen- und alkoholabhängige Personen hier in Deutschland nicht so nützlich sind, wie sie eigentlich sein sollten. Meistens ruhen die Gefährdeten sich auf diesen Gesetzen aus. In Russland gibt es so ein soziales Netz nicht und aus diesem Grunde heißt es für diese gefährdeten Menschen entweder Gefängnis oder Tod. Als wir die Mission RCR besuchten, war ich sehr positiv überrascht, wie dort die Arbeit bewältigt wird. Schon allein die ganzen technischen Geräte, um Radiosendungen auszustrahlen und um Botschaften zusammenzustellen, haben mich sehr beeindruckt. Und dass es da einen lieben Bruder gibt, der in einem Monat hunderte von Briefen aus Straflagern und Gefängnissen beant- wortet, hat mich fast sprachlos gemacht. Ich habe von dieser Woche nur positive Eindrücke mit nach Hause genommen und meine anfangs gestellten Fragen wurden mir alle beantwortet. Ich bin dem Herrn sehr dankbar, dass er uns in dieser Zeit bewahrt hat und dass er mir die Möglichkeit gab, dabei sein zu dürfen. Michael Lange, Alfeld Gemeinschaft in der Gefährdetenhilfe Rylsk 24 evangelium hinter stacheldraht 1/2011 • Zeugnis inneren Zustand um. Ich brach den Kontakt zu den Leuten ab, mit denen ich früher zu tun hatte, weil ich selber Heroin nahm. Die liebsten Menschen wurden mir gleichgültig, da ich immer nur einen Gedanken hatte: Wie kaufe ich mehr, wie verkaufe ich, wie mache ich Geld? Zu der Zeit passte bei mir alles, ich hatte alles (auch ein Auto) und litt keinen Mangel und dachte nicht über das Leben nach. Einmal kam ich mit einem Knietrauma ins Krankenhaus und da kam ein gläubiger junger Mann auf mich zu. Er erfuhr, dass ich auch aus Russland war und aus der gleichen Stadt kam wie er. Er fragte mich, ob er mit mir reden könne. Ich war einverstanden. Er fragte nach meiner Religion; ich antwortete, ich sei katholisch. Und er fragte mich: „Was gibt dir deine Religion?“ Ich antwortete ihm nicht, sondern stellte ihm die gleiche Frage. Er antwortete, dass er das ewige Leben habe, und erzählte mir von Jesus Christus – dass er für meine Sünden am Kreuz gestorben sei. Das hat mich sehr empört: Wie konnte Jesus für meine Sünden sterben, als ich noch gar nicht auf der Welt war?! Danach wollte ich nicht mehr mit ihm reden, wollte ihn nicht hören, weil es für meinen Verstand verschlossen war. Er lud mich in die Gemeinde ein und fragte, ob er für mich beten könne? Ich antwortete ihm: „Wenn du willst, bete.“ Auch fragte er nach meiner Adresse, damit er mir ein Neues Testament in den Briefkasten legen könne, was er dann auch tat. Aus dem Krankenhaus entlassen fand ich die Bibel in meinem Briefkasten, aber ich tat sie nicht auf und las sie nicht, sondern kehrte dorthin zurück, wo ich vorher war. Eines Tages war ich auf dem Geburtstag meines Freundes und wurde durch einen Messerstich in den Rücken sehr schwer verletzt, ich kam in die Notaufnahme. Die Ärzte sagten, ich hätte Glück gehabt, fast hätten sie eine Niere amputieren müssen. Aus dem Krankenhaus entlassen suchte ich mich an diesem Menschen zu rächen. Und es klappte auch; einmal trafen meine Freunde und ich ihn in der Bar und ich rief ihn, um mit ihm zu reden. Wir durchsuchten ihn, fanden das Messer und nahmen es weg. Wir gingen raus, ich fragte ihn: „Warum hast du das getan?“ Er schaffte es nicht, etwas zu sagen, sondern fiel durch den Schlag meines Freundes bewusstlos hin und ich stach ihm sein Messer in den Bauch. Wir ließen ihn liegen und gingen weg. Damals bewahrte mich Gott vor einem Mord und ihn vor dem Tod – er hat überlebt. Das Leben nahm seinen alten Lauf: Verkauf und Konsum von Heroin. Aber ich wollte das Heroin nicht mehr bezahlen und wir beschlossen, es einfach jemandem wegzunehmen. Aber man verriet uns bei den Leuten, für die dieser Mann gearbeitet hatte, und nun verfolgten nicht mehr wir sie, sondern sie verfolgten uns. Eines Abends kamen sie zu uns, als wir neben dem Haus im Auto saßen. Sie setzten sich in unser Auto, fingen an Fragen zu stellen und forderten uns auf vom Haus weg zu fahren, um zu reden. Uns war klar, worum es ging und dass wir uns nicht rechtfertigen können. Mein Freund hatte die Möglichkeit zu fliehen und er floh, aber ich blieb bei ihnen. Wir gingen aus dem Auto. Einer nahm eine Pistole, drehte den Schalldämpfer auf und hielt sie mir an den Kopf. Ich schloss die Augen und dachte, dass alles aus sei, und dachte nicht an Gott. Ein anderer hielt ihn auf und sie warnten mich, dass wir uns nicht einmischen sollten. Meine Eltern sahen das alles aus dem Fenster und das war für sie ein harter Schlag. Mein Vater begann mich zu beobachten und merkte, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte. Mir war alles gleichgültig, alles reizte mich und ich sah keinen Sinn im Leben. Zu diesem Zeitpunkt war ich vollkommen heroinabhängig und konnte mich nicht von dieser Abhängigkeit lösen. Eines Tages fand der Vater bei mir Heroin mit einer Spritze, das war für ihn ein harter Schlag. Er schloss mich für zwei Wochen zu Hause ein und ich erlebte den Entzug. In dieser Zeit nahm ich mir vor, das alte Leben zu lassen und ein neues aufzubauen. Ich heiratete und zog in eine andere Stadt, ein Sohn wurde mir geboren und ich war sehr glücklich. Mein Leben hatte sich normalisiert, ich hatte eine Arbeitsstelle und lebte wie alle normalen Leute. Aber auch dieses Leben dauerte nicht lange. Auf der Arbeit traf ich 25 Zeugnis • E vangelium H inter stacheldraht 1/2011 einen Menschen, der abhängig war. Vom ersten Augenblick an stellte ich fest, dass er unter der Wirkung von Heroin stand, und ich fand mit ihm sehr schnell einen gemeinsamen Nenner. An demselben Tag tauchte ich wieder in das alte Leben ein und die Droge stand wieder an erster Stelle. Ich verbrauchte Zeit für die Suche nach Drogen und nicht für die Familie. Es begannen lauter Probleme zu Hause, auf der Arbeit, mit den Eltern. Ich wurde wieder völlig abhängig. Als ich einmal eine Überdosis genommen hatte und die Ärzte, die mich wiederbelebt hatten, es meiner Frau mitteilten, sagte sie, dass ihre Geduld zu Ende sei. Sie war müde von so einem Leben, hatte Angst, das Kind mit mir allein zu lassen, weil ich immer in einem schrecklichen Zustand war. Sie reichte die Scheidung ein. Ich kehrte wieder zurück zu meinen Eltern und fing schon an, chemische Drogen zu nehmen. Das zog sich über vier Jahre hin. In dieser Zeit geschah viel Sinnloses, es war ein völliges Chaos. Mein Freund Andrej Luzenko und ich wollten in eine christliche Therapie kommen, aber man nahm nur einen von uns an, und das war er. Die Regeln der Therapie erlaubten es nicht, befreundete Menschen zu nehmen, weil sie rückfällig werden können. Nach einiger Zeit füllte ich die Papiere aus und fuhr in eine städtische Therapie. Dort gab es ebenfalls Drogen. Nach drei Monaten habe ich es nicht ausgehalten und nahm wieder Drogen, bis man mich erwischte. Dann packte ich die Sachen und fuhr nach Hause. Als ich zu Hause ankam, traf ich Andrej. Wir wohnten im gleichen Haus. Er sagte mir, dass er in die städtische Therapie ginge, da ihn das Gericht dorthin eingewiesen habe. Ich füllte wieder die Papiere aus und fuhr auch dorthin. Dort erzählte er mir von Gott, aber das allergrößte Zeugnis war, wie Gott ihn verändert hatte. Er nahm mich an den Wochenenden mit in die Gemeinde. Von der Therapie aus durften wir bis zum Abendessen wegbleiben. Nach der Versammlung fuhren wir zur Gefährdetenhilfe, wo er sich befand. Ich lernte den Leiter dort kennen. Mir gefiel alles, aber ich fand es sei nichts für mich. Wir fuhren auch weiterhin in die Gemeinde und diese Gemeinde fing an, für mich zu beten, nachdem sie mich darum gefragt hatten. Ich wurde aus der Therapie entlassen und fing wieder an Drogen zu nehmen. Und ich fing an zu verstehen, dass ich nicht frei werden konnte, dass die Droge mich immer wieder fesselte. Über ein halbes Jahr lang hing ich ununterbrochen an der Nadel. Ich fing an zu überlegen: Wozu existiere ich, wozu lebe ich? Ich überlegte sogar, ein für alle Mal Schluss zu machen, weil ich keine Kraft mehr hatte, dagegen zu kämpfen. Damals schickte der Herr mir einen Gläubigen, dessen früheres Leben ich kannte, und ich sah, wie Gott ihn verändert hatte. Und er kam eines Tages zu mir, als ich ganz am Ende war, und schlug mir vor, in die Gefährdetenhilfe zu fahren, in der sich mein Freund befand. Ich verstand, dass ich Hilfe brauchte und dass das meine Chance war, aber ich suchte Ausreden: Ich hätte keine Tasche, ich hätte Termine … Aber er war beharrlich und überredete mich; er sagte: „Versuch es und wenn es dir nicht gefällt, kannst du gehen.“ Und nun, als ich die letzte Dosis genommen hatte, fuhr ich mit ihm. Man nahm mich ohne vorhergehende Anrufe auf. Der Herr sorgte dafür, dass ich einen Platz bekam und ich begann den Entzug. Innerhalb einer Woche hatte ich den Entzug ohne Medikamente überstanden. Es war sehr schwer, aber für mich wurde gebetet und nach den Gebeten hielt ich diese Schmerzen aus. In der zweiten Woche bekehrte ich mich und nun lebe ich schon über ein Jahr lang mit dem Herrn und habe das noch kein einziges Mal bereut. Natürlich, es gibt Schwierigkeiten, es gibt Versuchungen, aber ich stütze mich auf einen Vers in der Bibel: „… ich vermag alles durch den, der micht mächtig macht.“ (Philipper 4,13) Der Herr stellte die Verbindung mit meinen Eltern und meiner Schwester wieder her. Ich habe wieder Kontakt zu meiner Frau und meinem Kind. Gott schenkte mir neue Freunde, neuen Sinn im Leben. Ich danke ihm dafür. Und ihr, die ihr euch noch nicht mit Gott versöhnt habt, ich bitte euch, tut das und ihr werdet sehen, welche Wunder in eurem Leben geschehen werden. Amen.

Walentin Terre, Minden